Mittwoch, 2. März 2016

[Leben] Warum man mit Vier noch gar nicht so groß sein muss.

"Mama, ich möchte auch auf den Arm". Maus, ich schaffe es nicht, euch Beide gleichzeitig zu tragen. "Aber Mama, ich möchte auch auf den Arm. Ich schaffe es auch nicht zu laufen." 

So begann in der letzten Woche ein Tag. Wie schnell hat man den Gedanken: Du bist schon so groß, du kannst doch laufen. Aber wer entscheidet eigentlich, dass man mit vier Jahren schon zu groß ist? Besonders dann, wenn die kleine Schwester trotz ihrer "allein machen" Alleingänge, sich das gerade vehement einfordert. 

Beide gleichzeitig tragen, schaffe ich im Notfall, wenn ich Bärenkräfte entwickeln muss. Aber im Normalfall schaffe ich das nicht. Also versuchte ich die Große zu vertrösten und ihr zu erklären, dass sie nun laufen muss und ihre kleine Schwester nun ebenfalls vom Arm runterkommt und auch läuft. Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, als die Kleine mir ihre Hand gab. Schließlich war mein Arm dann frei. Fakt war, egal wie ich es machte, ich werde ein weinendes Kind an meiner Seite haben. 

Wenn ihr wüsstet, dass es sich bei dieser Situation um eine Strecke von 600m handelt, dann würdet ihr mir sagen: 
"Tanja, mach doch nicht so ein Drama daraus. Dann muss eben mal ein Kind schimpfen, so ist das nun mal und geht auch wieder vorbei, auch wenn es laut ist."

Da gebe ich euch Recht. Aber ist es nicht so, dass man vom größeren Kind immer erwartet, dass es vernünftig ist?  Aber ist es unvernünftig sich einzufordern, ebenfalls mehr Nähe spüren zu wollen? Die Kleine läuft wie eine eins. Auch sie wurde getragen, weil sie mehr Nähe wollte. 
Ich ertappe mich im Alltag schon das ein oder andere Mal dabei, wie ich von meinem vierjährigen Mädchen erwarte, dass sie nun so reagiert, wie es eben irgendwie praktischer wäre. Manchmal werde ich ungerecht, nicht verbal, aber in meinen Gedanken. Und dann könnte ich genauso gut gerade vier Jahre alt sein. Aber sie muss das doch einfach verstehen können, wenn es auf eine bestimmte Art und Weise laufen muss, damit der Plan funktioniert. Weil sie ja eben schon vier ist. Und nicht mehr zwei. Wer so viel Spaß beim Uhrzeit lernen, zählen und Namen schreiben hat, der ist doch eben schon so groß. Natürlich weiss ich, dass das eigentlich eben genaugenommen gar nicht so ist. Sie ist genauso schutz- und nähebedürftig, ebenso verletzlich. Und manchmal bricht es eben aus ihr heraus.  

Am gleichen Tag, es war mittlerweile Nachmittag, kam sie zu mir und wollte wieder auf meinen Arm, der wie so häufig gerade besetzt war. Wir fanden einen Kompromiss. Wir kuschelten uns in die neuen Betten, ein Kind rechts, eins links und dann lagen wir da und haben die Zeit vergessen. Es war ein Bisschen so, als würden wir gegenseitig unsere Batterien aufladen. Ich weiß nicht wie lange wir wirklich da gelegen haben, es fühlte sich sehr lange an, waren aber nur etwas um die 30 Minuten. 30 Minuten, die mein kleines großes Mädchen so sehr brauchte und dazu beigetragen haben, dass der restliche Tag so entspannt und friedlich verlief, wie ich es am Morgen nicht hätte ahnen können. 

Versteht mich nicht falsch, es kommt keiner zu kurz oder muss gar darum kämpfen, in den Arm genommen zu werden. Dennoch ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man durch solche eine Situation wieder vor Augen geführt bekommt, das man eben eigentlich noch zwei kleine Kinder hat. Nur das ein kleines Kind eben schon etwas größer ist als das Andere. Und deswegen machen wir es nun einfach noch besser und schrauben unsere Erwartungen zurück, denn die der Kinder an uns, die reichen fürs Erste, oder nicht?

Alles Liebe,
Tanja

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen