[Leben] Geschwisterliebe – manchmal ist es nicht so einfach

Ich hole gerade Luft, um dann ansetzen zu können zum Schimpfen. Doch ich weiß, würde ich nun anfangen, mehr als einen Satz dazu zu sagen, wo ich schon so häufig etwas zu gesagt habe, dann verliere ich mich dadrin. Dann bin ich gefangen in meinen Gedanken und mein Kind wird mich hinterher ansehen und gar nicht wissen, was ich von ihm wollte. Aber für mich ist diese Situation doch so klar, schließlich haben wir sie schon unendliche Male durchgesprochen.

Muss ich einschreiten?

Ich hole erneut Luft und sammle mich. Denke darüber nach, nichts zu sagen, während ich im Hintergrund Geschrei von beiden Kindern höre. Die Kleine baut sich etwas auf und die Große torpediert dieses Spiel, weil sie nicht mitspielen darf. Es ist nicht oft so, dass sie getrennt spielen möchten, oder zumindest eine von Beiden. Aber manchmal ist das so, auch umgekehrt und irgendwie muss doch Akzeptanz dahingehend doch in Ordnung sein, oder irre ich mich da? Aber wie weit darf, soll und muss ich mich einmischen? Ich weiß, dass das wütende Schreien der Kurzen lange andauern kann, sie hat da einen langen Atem. Ich weiß auch, dass da sie da sehr dickköpfig ist und vehement durch dieses Geschrei  ihren Standpunkt vertritt. Aber es ist auch so, dass die Große der festen Überzeugung ist, ihre kleine Schwester ist dafür da, um mit ihr zu spielen, zumindest dann, wenn es ihr gerade passt. Geschwisterliebe eben.

Geschwisterliebe Streit Rougerepertoire
Quelle: Noam Armonn/Shutterstock.com

Was soll ich also tun? Was hier klingt, als wäre bereits eine halbe Stunde vergangen, ist in Wahrheit nicht einmal eine Minute. Es rattert in meinem Kopf. Schlussendlich ist es beim großen Mädchen einzig allein der Wunsch nicht alleine spielen zu wollen. Mit mir möchte sie im Gegenzug aber auch nicht spielen, sondern es muss ihre Schwester sein, denn diese hatte eine Idee zum Spielen, die sie selbst nicht hatte. Ihr versteht die Misere? Nur hat die Kleine genauso ein Recht darauf alleine mit etwas spielen zu dürfen und sie darf nicht automatisch den Kürzeren ziehen. Sie ist versunken in ihrem Rollenspiel, den Schleich Tieren und den Haba Püppchen und möchte partout nicht mit Jemandem spielen, sie möchte ihre Ruhe und hat ihre eigene Dynamik im Spiel.

“…nicht in dem Moment wo sie sich so sehr danach sehnt
gemeinsam mit ihr spielen zu wollen…”

Ermahne ich R. zum 763. Mal, zu akzeptieren, dass sie ihre Schwester auch manchmal einfach in Ruhe lassen muss. Aber offensichtlich kann sie das nicht nachvollziehen, nicht in dem Moment wo sie sich so sehr danach sehnt gemeinsam mit ihr spielen zu wollen. Sie fühlt sich zurückgestoßen und möchte eigentlich nicht ärgern und sie stören, sie möchte nur ein Teil dessen sein und sich nicht ausgegrenzt fühlen. Selbst wenn ich nun wieder aus diesem Grund schimpfe, der ungefähr zwei mal pro Woche auftaucht, wird sie es nicht verstehen können, weil sie darüber ehrlich traurig ist. Sie macht es zwar umgekehrt genauso, doch das ist der Punkt. Muss es immer ausgeglichen sein? Habe ich trotzdem das Recht ihr dann ihre Gefühle abzusprechen? Nein, das habe ich nicht.

Streit mit Geborgenheit begegnen

Also rufe ich sie zu mir und nehme sie in den Arm. Ich erzähle ihr, wie lieb ich sie habe und das sie nicht alleine ist. Sie ist noch wütend und traurig. Irgendwann spüre ich, wie sie sich entspannen kann und sich wirklich umarmen lässt. Sie weint und erzählt mir, dass sie richtig traurig ist. Sie hatte noch nicht so eine gute Idee wie ihre kleine Schwester, genau das mit den Pferden und den Püppchen zu spielen und sie wollte genau deswegen einfach nur mitspielen. Wir reden darüber, wie wichtig ihr es ist, in Ruhe basteln und malen zu dürfen, ohne dabei von ihrer “Mausi”, wie sie sie manchmal nennt, gestört zu werden und das es auch vollkommen in Ordnung so ist. Ich merke aber in diesem Gespräch, dass genau das der Knackpunkt ist. Sie kann diese Situation nicht übertragen. Mit Pferden und Püppchen zu spielen ist etwas vollkommen anderes für sie, als zu malen oder zu basteln, da man in ihren Augen solche Rollenspiele besser zu zweit machen kann.

Geschwisterliebe Haba Schleich

Man lernt in jeder Situation auch etwas über sich.

Ich fange an mich zu ärgern. Nicht über sie. Über mich. Dieses Gespräch hätten wir auch schon eher führen können, wenn ich nicht eine gewisse Erwartungshaltung gehabt hätte. Vielleicht ist es in Ordnung diese Erwartungshaltung zu haben, aber nicht, ohne dieses Gespräch vorher mit ihr genauso geführt zu haben. Nun habe ich die Hoffnung, es wird beim nächsten Mal besser. Wer weiß?

Während wir da saßen, stand auf einmal die Kleine vor uns und wollte zu ihrer großen Schwester. “Möchtest du mitspielen?”, drückte ihr ein Pferd in die Hand und rannte wieder los in Richtung Kinderzimmer. Jetzt, wo niemand mehr gestört hat, war es scheinbar auch zu langweilig. 😉

Solche Situationen kennt ihr doch sicherlich auch, oder?

Alles Liebe,
Tanja

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