[Leben] 3, 2, 1 – zurückkatapultiert von 0 auf 100

Achtung Triggerwarnung

 

“Es rettet uns kein Zauber und das gilt es zu verstehen.” (Herrenmagazin)

Meine ursprünglichen Texte vor vielen Jahren, entstanden stets in sehr melancholischer Stimmung, fernab von roten Lippen und der passenden Foundation. Nun schreib ich noch immer aus dem Herzen heraus, aber in einer anderen Lebenssituation. Das gestrige Thema in meiner Timeline der social Media Kanäle, rund um Depressionen und den Freitod kann ich nicht spurlos an mir vorbeigleiten lassen. Hier geht es nun weniger um die Person und den Namen Johannes Korten, den ich nicht kannte. Aber es geht um einen Menschen der sich dafür entschied, diesen Weg zu gehen. Kann man das überhaupt Entscheidung nennen? Oder ist es ein Schub, der Grenzen mehr als überschreitet, der sich nicht aufhalten lässt? Ich bin mir da nicht sicher, möchte dies aber auch nicht zur Diskussion bringen.

Depression

Schweigt nicht – oder schweigt mit den Angehörigen.

Seitdem sich die Nachricht ihren Weg bahnte, wandern meine Gedanken stets zu den Angehörigen. Auch diese sind mir vollkommen unbekannt. Seitdem lässt mich das Gefühl nicht los weinen zu müssen. Da ist dieses lähmende Gefühl, welches 9 Jahre her ist, so präsent, dass ich sofort meine Kinder in die Arme nehmen musste, um mir vor Augen zu führen, dass das alles echt ist, was gerade ist. Jetzt ist es gut. Ich muss mich nicht so fühlen. Und dennoch ist es wie ein stummes Nicken und der Gedanke: Es ist die Hölle. Aber man wird sie bezwingen, wenn man es möchte und starke, liebende Menschen an seiner Seite hat, die nicht aus Angst vor den falschen Worten schweigen. Ich kenne den letzten Text von J. Korten nicht, es handelt sich um einen Abschiedsbrief. Ich kann ihn nicht lesen. Hier, verschlossen in einer Kiste liegt ebenso einer. Ich kenne jedes einzelne Wort, aber lesen kann ich ihn nicht ein zweites Mal, muss ich auch nicht, die Worte sind fest verankert, mit den Augen fotografiert und nicht retuschierbar.

Ungewissheit und die innere Stimme

“Wundern Sie sich nicht, wieso Leute verrückt werden. Wundern Sie sich, wieso sie es nicht werden, angesichts dessen, was wir an einem einzigen Tag verlieren, in einem Augenblick. Ich frage mich, weswegen wir es verdammt noch mal schaffen, die Fassung zu bewahren.” (Grey’s Anatomy)

Mir geht es gut, aber an solchen präsenten Tagen, wenn es diese Ungewissheit gibt und viele Menschen bangen, ob ihr Freund, Vertrauter, Sohn oder Ehemann diesen Schritt wählt, dann könnte ich die Fassung verlieren, da es mich zurückkatapultiert, an einen Abend, eine Nacht. Ich höre mich noch heute meine Eltern anrufen. Diese Ungewissheit – mit dem heimlichen Wissen, gegen das man steuern möchte, damit man positiv bleibt, das aber schon mehr weiß als man selbst – ist so unfassbar schlimm, dass Worte nicht zu finden sind. Wenn die Gewissheit da ist und man leise denkt, man hatte Recht, dann möchte man schreien, um danach zu verstummen, für eine lange Zeit. Bis man seine Worte wiederfindet und merkt man hat eine Stimme, die es gilt zu nutzen.

Mir geht es gut, und ich hoffe dir auch. Wenn nicht, dann suche dir bitte Hilfe.

Alles Liebe,
Tanja, eine Angehörige!

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2 comments

    Auch ich bin eine Angehörige. Dein Text spricht mir aus der Seele. Ich habe den Blogeintrag von Johannes gelesen. Ich finde keine Worte. Die Abgründe der menschlichen Seele sind so unermesslich. Ich denke jeden Tag an diesen Moment. Als das Telefon stundenlang durchklingelt, niemand abhebt. Man hinfährt, weil da dieses Gefühl ist. Und man Recht hat. Und verstummt angesichts des Geschehenen. Das und alles danach hat sich in meine Seele gebrannt, unauslöschlich. Es ist 6 Jahre her und es kommt mir vor wie gestern. Auch ich schaue sehr oft meine Familie und Freunde an und hoffe inständig, dass sie reden und nicht schweigen wenn es ihnen schlecht geht. Ich habe den Menschen verloren, der mir am nächsten stand und nichts bemerkt, das macht mich heute noch verrückt und das wird wohl mein Leben lang so bleiben. Aber ich bin ok, ich weiß, diese Person ist immer bei mir, eben nur nicht physisch. Danke für deinen mutigen Beitrag!
    Lieben Gruß aus Münster!

    Leider mochte auch meine Mutter nicht mehr leben. Ebenso der damalige Freund meiner Halbschwester. Als ich zu klein war, um es mitzubekommen, auch meine Oma. Es ist ein schreckliches Thema 🙁

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