[Leben] Lasst euch nicht verunsichern – geborgen und intuitiv im ersten Lebensjahr

Ich habe mich bei meinem ersten Kind oft gefragt, was ich falsch mache. Wieso? Na weil es so bestimmte Meilensteine gibt, wie etwas laut irgendwelchen Büchern laufen soll, was einem als frisch gebackene Mama gerne suggeriert, dass man ganz sicher auf dem Holzweg ist, obwohl man glaubt geborgen zu handeln. Doch leider nicht nur laut Büchern, in vielen Köpfen hat sich das eben so manifestiert.

Ammenmärchen

Ab dem vierten Monat gibt es bitte Beikost, dann wird allmählich abgestillt. Und leg das Kind doch bitte nicht ins elterliche Bett. Sonst verwöhnst du es nur. Tragen? Himmel, es gibt doch Kinderwagen, sonst möchte das Kind ausschließlich von dir getragen werden, pass ja auf. Es akzeptiert nur Mama zum Trösten, auch nachts, obwohl Papa auch da ist? Tja, das bist du wohl selbst Schuld, wenn du dir von deinem Baby/Kleinkind so auf der Nase rumtanzen lässt.

Wie war das denn bei uns? Stillen und Brei oder doch BLW?

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Die Große wurde voll gestillt und zeigte irgendwann Interesse an unserem Essen. Sie schaute immer mal wieder, was wir da am Essentisch eigentlich so machen, versuchte auch mal nach etwas zu greifen, aber den Mund bei einem Löffel Brei wollte sie partout nicht aufmachen. Ich persönlich kann das sehr gut verstehen, ich finde ja ob selbstgemacht oder selbstgekauft, Brei ist einfach nicht ansprechend. „Damals“ hatte ich noch nie etwas von BLW gehört. Ich gab meiner Tochter aber intuitiv statt Brei einfach mal gedünstete Gemüsestäbchen oder eine Nudel, mit dem Gedanken: Was man püriert gibt, kann im Ganzen nicht so viel schlechter sein. Davor, dass sie sich verschluckt hatte ich keine Angst, auch ein Baby ist bereits durchaus kompetent und sie ist ja nicht allein gewesen. So sicher ich mir auch war, so sehr wurde ich von außen verunsichert: „So stillst du ja nie ab, das dauert ja viel zu lange, bis sie mal satt ist.“ Also fing ich an zu grübeln. Stimmte das? Aber es heißt doch Beikost und nicht Ersatzkost. Also stillte ich weiter und weiter, irgendwann wurde sie tagsüber satt und wollte von sich aus nicht mehr tagsüber stillen, nur noch nachts. Mit 14 Monaten wollte ich es nicht mehr, da ich das Gefühl hatte, es ist ein Automatismus, der den Schlaf noch schlechter macht, als sowieso schon. Mit 15 Monaten war sie abgestillt und mein Gefühl war vollkommen richtig. Es bewies mir aber: So falsch liege ich nicht. Bedürfnisorientiert und geborgen haben wir das zusammen ziemlich gut hinbekommen.

Tragen oder Kinderwagen?
Geborgen ist das Kind immer, wenn ihr auf die Bedürfnisse achtet.

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Beim Tragen ist es wieder ähnlich. Ich hatte mir damals eine Manduca zugelegt, außerdem kauften wir einen gebrauchten Kinderwagen. Wir fanden, dass das ausreicht. Wie sehr wir Recht behalten sollten, wussten wir zu dem Zeitpunkt nicht. Über die erste Zeit mit unserer Großen schrieb ich hier ja bereits ausführlich. Sie wohnte in der Trage. Die Babywanne wurde von uns 3 Mal benutzt. Was war ich froh, dass wir nicht viel Geld für einen Kinderwagen ausgegeben haben. Trotzdem nahm ich den Kinderwagen gerade zum Einkaufen mit, damit ich alles verstauen konnte. Wie oft mir gesagt wurde, dass es ja an mir liegt, dass das Kind nur getragen werden möchte, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Und so sehr ich das Tragen mochte und mag, glaubt mir, ich hätte alles gegeben, meinen Rücken einmal entlasten zu können. Es war allerdings nicht so. Selbst im Sportsitz wollte sie nicht sitzen. Der Durchbruch kam, als sie Laufen konnte, mit 11 Monaten. Ab da akzeptierte sie auch den Kinderwagen. Ich sage extra auch, da es keinen Tag gab, wo ich ohne Trage das Haus verlassen habe. Ich war mir irgendwann sehr sicher und wusste es ist in Ordnung wie es ist. Ich habe ein sicher gebundenes Kind, was sich darauf verlassen kann, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden. Hier soll es ja eigentlich nur ums erste Kind gehen, aber an dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass unsere Kleine da genau anders war und lieber ihre Ruhe im Kinderwagen hatte und ich das Tragen eher mal vermisst habe. Aber ihre Bedürfnisse wurden ebenso wahrgenommen und auch sie wächst zu einem sicher gebundenen selbstbewussten Mädchen heran, dessen Bedürfnisse da stets wahrgenommen wurden.

Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich

Geht euren Weg, mit eurem Kind, lasst euch nicht abbringen, aber setzt auch keine Scheuklappen auf und betrachtet euren Weg als den einzig Richtigen. Was ich euch mit diesem Post aber sagen möchte ist schlichtweg: Zweifelt nicht sofort an euch, wenn euer Weg in Frage gestellt wird. Ich wünschte mir hätte damals Jemand gesagt, dass das schon alles gut so ist, statt nur dafür kritisiert zu werden, wie ich unser Kind verziehe. Heute ist sie selbstbewusst und autark. Es ist alles eine Typfrage und jedes Kind ist anders. Eure Prinzipien, eure Erziehung. Und vielleicht könnt ihr das ein oder andere Elternteil inspirieren, wer weiß das schon?

Alles Liebe,
Tanja

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One comment

    Liebe Tanja,
    Ich habe deinen Post , Leben lasst euch nicht verunsichern, gelesen.
    Und du sprichst mir aus dem Herzen. Ich bin auch zum ersten Mal Mama geworden und jeder erzählt was anderes. Dazu gibt es Bücher, Internet, Familie, etc .
    Und bei manchen Dingen bin ich oft verunsichert, ob das was ich mache, auch richtig ist. Bei vielen ecke ich an, wie ich Dinge entscheide. Zum Beispiel lasse ich mein Kind nicht schreien. Er quengelt auch mal…Aber zum Beispiel mal ne halbe Stunde schreien lassen, gibt es bei mir nicht.
    Darum finde ich es gut, wie du darüber geschrieben hast. Ich lasse mich da noch viel verunsichern..😯
    Vielen Dank!
    Hab einen schönen Tag.
    Julia

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