[Leben] “Das dritte Kind läuft doch sowieso mit” – Wo? Hier sicher nicht!

Als ich mir zu Beginn meiner vierten Schwangerschaft Gedanken machte, wie das wohl wird, wenn die Kinder in der Überzahl sind, hörte ich häufig den Spruch: “Das dritte Kind läuft doch sowieso mit, ihm bleibt ja gar nichts Anderes übrig.” Und bereits ohne mein drittes Kind in den Armen gehalten zu haben, schüttelte ich innerlich den Kopf. Denn auch unser zweites Kind, auch wenn es pflegeleichter als unsere große Tochter war, lief nicht einfach so mit. Niemand lief hier mit, außer uns Eltern, die wir versuchten uns an die stets gegeben Bedingungen, die jedes Kind mitbringt, anzupassen. Ich weiß, sehr viele Eltern sind der Ansicht, dass ein Kind die Familie erweitern und bereichern soll und in ihren bestehenden Alltag integriert wird. Das sehen wir auch so, dennoch kann man meiner Meinung nach nicht erwarten, dass sich alleine das Kind den Gegebenheiten anpasst. Sollten wir als Eltern nicht eine gewisse Flexibilität mitbringen?

“Das dritte Kind läuft mit”

So kam also unser drittes Wunder zur Welt und ich merkte, wie alle in der Familie rückten. Jeder hat seinen Platz verlassen und musste sich neu sortieren. Natürlich haben wir in unserer Familie einen Rhythmus, dieser blieb auch bestehen. Aber in diesem Rhythmus gibt es auch Variablen, an denen man arbeiten kann.

Unsere Tage haben sich verändert. Meine Kapazitäten verteilen sich anders, es ist ein Kind mehr da, welches Bedürfnisse hat. Es hat sogar sehr ausgeprägte Bedürfnisse. Nie käme ich auf die Idee zu sagen, dass unser Nesthäkchen mitlaufen muss. An manchen Tagen und insbesondere an den Nachmittagen, stehen aktuell die Freizeitaktivitäten unserer Mädchen im Fokus. Aber selbst da haben wir es geschafft so dran zu schrauben, ohne dass sie auf etwas verzichten müssen, dass es für alle passt. Es gibt Momente, da muss man eben ein Kind wecken, damit das große Kind pünktlich in der Schule ist. Aber das ist nicht der springende Punkt. Mitlaufen bedeutet für mich, nicht mit allen Bedürfnissen und Wünschen gesehen zu werden, was im Umkehrschluss nicht bedeutet, stets all diese erfüllen zu können. Darüber würde man sich vermutlich irgendwann selbst vergessen. Aber Kinder wollen gesehen werden, auch das dritte Kind.

Wir laufen gemeinsam, als Familie

Schlussendlich läuft hier keiner mit. Höchstens mit uns Eltern, denn wir laufen alle gemeinsam. Manchmal in unterschiedliche Richtungen, weil da wieder die Bedürfnisse ins Spiel kommen. Aber jeder erfährt die gleiche Geborgenheit. Trotz alledem muss man sich davon freimachen, nicht immer alles gleichzeitig schaffen zu können und auch zu müssen. Aber das ist ein anderes Thema, was ich bald auch einmal aufgreifen werde.

Alles Liebe,
Tanja

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3 comments

    Liebe Tanja,

    ein schöner Text. Beim lesen habe ich mich mehrmals beim nicken ertappt.

    Hier ist es ähnlich. Niemand läuft mit, wir laufen zusammen und doch merke ich oft, dass es für mich als Mama in gewissen Situationen schwer ist. Dann falle ich komplett hinten über. Henry genau so.

    Ganz liebe Grüße an dich
    Janina

    So ein schöner Beitrag! Wir haben auch drei Kinder, und es ist als hätte ich meine Gedanken niedergeschrieben. So viel Unverständnis wie ich oft erlebt habe. Jedes Kind hat Bedürfnisse und ein Recht darauf. Kein Kind läuft einfach mit. Schön dass es noch mehr Mamas mit derselben Einstellung und denselben Erlebnissen gibt. Jedes Kind ist ein Segen und hat ein Recht ein Individuum zu sein.” Dieses Kind läuft einfach mit”, hört sich an wie ” Es verändert sich nichts.” Aber ehrlich, ich fand die Veränderung bei Kind 3 am Intensivsten. Vor allem da Kind 2 und Kind 3 nur 15 Monate auseinander sind.

    Ein sehr schöner Text, dem ich (ebenfalls Dreifachmama) absolut zustimme. Es ist tatsächlich nicht einfach die Bedürfnisse von drei Kindern unter einen Hut zu bringen, vor allem wenn der Altersabstand klein ist. Aber man entscheidet sich doch freiwillig (ich gehe jetzt einfach mal davon aus) für ein drittes Kind und möchte doch allen gleich gerecht werden, oder? Hier war es tatsächlich eher so dass Nummer 3 der war der am wenigsten zurück stecken musste, einfach weil er als Säugling kaum warten konnte wenn er gestillt werden wollte oder eine neue Windel brauchte 😉. Je älter er wurde, umso “gerechter” ging es dann auch wieder zu… VG Edith

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