[Leben] Das Geschlecht des Babys – Warum ist dieser Faktor so wichtig?

Erfährt man von einer Schwangerschaft, ist oft die erste Frage: Und? Weißt du schon was es wird? Ich finde es auch spannend, aber was ist daran eigentlich so wichtig? Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken dazu gemacht. Denn als ich von der Schwangerschaft mit unserem dritten Baby erfuhr, der Test positiv war, überlegte ich zuerst nicht wissen zu wollen, welches Geschlecht das Baby haben wird. Wieso und weshalb, das werde ich euch nun mal genauer erzählen.

Das große Rätsel rund um das Geschlecht des Babys

Als ich mit unserer Großen schwanger war, war es das erste Mal, zumindest seit der Fehlgeburt. Es war aufregend, von Ängsten geprägt, aus Sorge die ersten 12 Wochen wieder nicht zu überstehen. Ich hatte das Gefühl, wenn ich endlich wüsste, welches Geschlecht das Baby hat, dann könnte ich noch einen näheren Bezug herstellen. So kann man sich wirklich auf einen Namen einlassen und das Baby mit Namen ansprechen. Für mich war es ein großer Zauber und es war mir herzlich egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden sollte. Ich wollte einfach nur etwas wissen, um es für mich greifbarer zu machen. An der Liebe, die ich bis dahin spürte, änderte das absolut nichts. Ich hatte kein Wunschgeschlecht, nie die Vorstellung unbedingt einen Jungen oder ein Mädchen bekommen zu wollen. Als wir dann beim großen Organschall in der 22. Woche erfuhren, dass wir ein Mädchen erwarten, war ich sehr selig. Meine Vorstellungskraft brauchte das und es hat mir geholfen, in der Zeit des Liegens, alles gut durchzustehen. Ich sprach mit ihr. Nicht anders als zuvor, doch ich hatte das Gefühl nun ist es noch einmal direkter. Klingt ziemlich verrückt, ich weiß.

                                                               Urheberrecht: Golubovy/Shutterstock

Noch ein Mädchen und doch ist alles anders

Während der Schwangerschaft mit der Kleinen verging die Zeit wie im Flug. Ich wusste nicht mehr auf den Tag genau, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten war, wenn man fragte, wie weit ich denn sei. Als Antwort musste stets die Wochenanzahl reichen. Vom Gefühl her war alles anders. Ich fühlte mich anders und dachte, dass es vielleicht daran liegt, dass es dieses Mal ein Junge werden würde. Da wir zu diesem Zeitpunkt davon ausgingen, dass wir zwei Kinder haben möchten, dachte ich: Jetzt noch ein Junge wäre auch schön, dann dürfte ich die Erfahrung machen, wie es mit einem Mädchen und mit einem Jungen ist. Aber es hatte für mich keine Priorität, da auch dieses Mal wieder Sorgen mitschwangen und der altbekannte Satz „Hauptsache das Baby ist gesund“ immer wichtiger war. Als uns gesagt wurde, dass auch dieses Baby ein Mädchen wird, weiß ich, dass ich einmal schlucken musste und mich dann genauso freute, wie auch bei unserer Großen. Und ich habe mich deswegen schrecklich gefühlt. Dies war allein dessen geschuldet, dass ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, wie es sein könnte oder vielleicht schön wäre (Erfahrungen sammeln können, unterschiedlicher Geschlechter als Kinder). Als dann unsere Kleine auf die Welt kam, war sie so anders als die Große. Und auch heute noch sind die Zwei unzertrennlich, aber unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Klein E. ist auf Dinge raufgeklettert, da konnte sie noch lange nicht laufen, wie sie runterkommen sollte, wusste sie natürlich nicht. Aber das war egal. Da ist sie bis heute sehr furchtlos, aber nie unvorsichtig. Sie spielt unfassbar gerne mit Autos, trägt am Liebsten blau, keine Zöpfe und bloß keine Kleider. Hier gibts auch Ausnahmen, die sind aber wirklich selten. Es ist eben keine Geschlechterfrage, es ist eine Typfrage. Und diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass es vielleicht in Ordnung ist Wünsche zu haben, aber man muss sich dessen total bewusst sein, dass man anschließend nicht in eine Enttäuschung reinschlittert. Das ist schließlich kein Wunschkonzert.

„Wir wünschen euch, es wird nun endlich ein Junge“

In der jetzigen Schwangerschaft wollte ich das Geschlecht zuerst nicht erfahren. Nun bin ich aber doch sehr neugierig. Genauso wie viele andere Menschen, die uns endlich einen Jungen wünschen und hoffen, es würde nicht wieder ein Mädchen. Gut, dass dies ungefragt von Menschen an einen herangetragen wird. Ich würde es sehr gerne erfahren. Ich ertappe mich dabei darüber nachzudenken, was wäre es wäre nun ein Junge? Wie wäre das? Bin ich eine Mädchenmama? Aber dann sehe ich meine zwei wunderschönen Mädchen an. Meine kleine Rabaukin und ihre große Schwester, die fast ausschließlich Kleider tragen möchte und ihre Puppen bemuttert. Ich bin keine Mädchenmama. Ich bin eine Mama und gehe individuell auf die Bedürfnisse meiner Kinder ein. Sie werden in keine Rollen gedrückt, dürfen sich frei entfalten und mit den Sachen spielen, wie sie es gerne möchten und es ist egal, ob es da um eine Genderfrage geht.

Welches Geschlecht das Baby in meinem Bauch haben wird?
Junge oder Mädchen? Wer weiß das schon?
Und das Schöne ist: Es ist total egal!

 

Habt ihr euch das Geschlecht des Babys verraten lassen?
Hattet ihr ein Wunschgeschlecht?

Alles Liebe,
Tanja

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5 comments

    Ich bin aktuell in der 30. Woche mit unserem ersten Kind schwanger. Ob Mädchen oder Junge war uns von Anfang an egal, hauptsache gesund. Aber ich wollte es wissen, und zwar nur darum weil ich einfach zu neugierig war und 40 Wochen warten, so gar nicht mein Ding sind 🙂

    Wir haben leider die Erfahrung machen müssen, dass das Geschlecht schon eine Rolle spielt. Offiziell wird immer behauptet, es sei egal. Trotzdem sind alle froh, dass sie mindestens ein Mädchen haben. Gelegentlich werde ich schon bedauert. Wir haben zwei Jungs und schon im Kreißsaal kam die Mitteilung, dass ich für ein Mädchen schon nochmal wieder kommen müsste. Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit dem Thema geschlossen und bin sehr glücklich mit meinem Männerhaushalt, obwohl meine Wünsche vor Beginn der Familienplanung auch gänzlich anders aussehen 😀. Zumal wir froh sind, überhaupt gesunde Kinder haben zu dürfen, weil das nach Fehlgeburten und Problemschwangerschaften nicht selbstverständlich für uns ist.

    Ich denke, dass es überhaupt kein Problem ist, sich diese Frage zu stellen. Warum sollte es auch? Es ist gesellschaftlich induziert, dass man sich dafür hinterfragt. Sicherlich hat jeder eine bewusste oder unbewusste Neigung zu Junge oder Mädchen, die auch schonmal wechseln kann. Aber das ist vollkommen ok und wird durch ein warmes Gefühl der Liebe verdrängt, wenn das Kind dann da ist – egal, welches Geschlecht! In unserem Kulturkreis sind ja die Folgen der Bestimmung des Geschlechts sehr milde im Vergleich zu anderswo (Indien!).
    Und Du schreibst es ja selber: Kinder nehmen die Umwelt so wahr, wie es ihrem Typ entspricht. So lange man den „Typ“ nicht zu verdrehen versucht ist alles iO 🙂

    Ich habe einen Jungen und ein Mädchen bekommen und das in dieser Reihenfolge. Mir war es tatsächlich vollkommen egal, was es wird beide Male. Wobei ich es bei meinem Großen irgendwann ganz entspannend fand, einen Jungen zu bekommen, da ich zu dem Zeitpunkt ein schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter hatte und sich so aus meiner Sicht als Erstgeborene vieles nicht wiederholen konnte. Dennoch bin ich vollkommen entsetzt über die durch die Bank ungefragten Reaktionen meiner Mitmenschen auf unsere Familienkonstellation! Das reicht von „Jetzt habt Ihr ja beide jemanden für Euch“ über „ein Pärchen, das wünschen sich doch alle“ bis zu „dann seid Ihr ja jetzt fertig“. Hä?!?!? Was läuft denn da schief? Wieso fertig? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Unsere Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen mittlerweile ein bißchen auch aus Trotz. Die Kleine bekommt übrigens die Sachen vom Großen an und wird grundsätzlich für einen Jungen gehalten und überhaupt sind sie sich bisher sehr ähnlich… Klar: Kann und wird sich ändern. Wir haben jetzt einfach zwei wundervolle Kinder und wenn die Kleine doch nicht mit der Holzeisenbahn spielen will, dann bekommt sie eben etwas anderes. Egal was.

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