[Leben] Ein Brief ans baldige Schulkind

Mein geliebtes Mädchen.

Du zählst die Tage runter, tagtäglich. Acht sind es noch. In acht Tagen bist du ein Schulkind. Mein Schulkind. Vielleicht findest du bis dahin deine Ohren wieder, die hast du nämlich scheinbar gerade irgendwo verloren…

Du hast dir schon vor langer Zeit ein Kleid ausgesucht und guckst es dir nun wieder jeden Tag an. Außerdem wackelst du immer wenn ich dich ansehe – das tue ich sehr oft – an deinen vielen Wackelzähnen, weil du dir so sehr wünschst, an deiner Einschulung eine Zahnlücke zu haben.

Gestern Abend saß ich im Wohnzimmer. Ihr Kinder habt geschlafen und ich hätte mich einfach ausruhen können. Aber ich wollte sicher sein, dass für die Schule auch alles fertig ist. Also saß ich da und haben jeden einzelnen Stift mit einem Namensetikett versehen und dieses noch einmal extra gut angedrückt, damit auch alles wirklich gut hält. Schließlich soll doch alles richtig sein. In Wahrheit hielt ich mich wohl extra lange an jedem Stift fest, damit ich es immer mehr begreifen kann. Mehr kann ich nicht mehr machen, außer dafür zu sorgen, dass deine Sachen alle zusammen sind und dir sagen, dass du ein großartiges Mädchen bist.

Heute sagt man so schön: sei wie Pippi, nicht wie Annika. Aber weißt du, ich wünsche mir eigentlich nur, dass du so bist wie du bist – mit Ohren und mit deinem Sturkopf. Denn den hattest du schon immer. Man muss keine Ronja Räubertochter sein und auch keine Prinzessin. Du musst an dich glauben und daran, dass du alles schaffen kannst. Ich weiß das. Du gehst bald ein Stück weit mehr deinen eigenen Weg. Vielleicht nicht wie mit drei Jahren, mit Mütze im Hochsommer, aber stilecht nach deinem Geschmack.

Als wir über die Einschulung sprachen und ich erwähnte, dass ich Taschentücher einpacken muss, sagtest du mir: Mama! Nicht weinen. Das ist peinlich. Die Schule ist doch schön.

Recht hast du. Es liegt etwas Schönes vor dir, aber lass dir gesagt sein: Tränen sind niemals peinlich und dürfen immer sein. Du, mein großes Kind hast mich vor bald sechs Jahren zur Mutter gemacht und nie hätte ich mir träumen lassen, dass das der anstrengendste und zugleich schönste Job der Welt ist, den man haben kann.

 

Also mein Mädchen. Öffne deine Flügel und erobere die Schule. Ich bin unendlich stolz und stehe an deiner Seite.

Deine Mama

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One comment

    Ein ganz wunderbarer Post. Bei meiner Pippi ist es im Sommer so weit. Nun seh ich gerade alles etwas verschwommen und verdrücke ein paar Tränchen. Was für schöne Worte!

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