[Leben] >Gastpost< Kinder altersgerecht in den Alltag einbinden - Montessori

Tina, 38 – schreibt seit 2016 auf Kind | Küche | Chaos  ber ihren Familienalltag und alles was damit zusammenhängt, das ganz normale #momlife eben. Sie lebt mit ihrer Familie bindungs- und bedürfnisorientiert und lässt sich von der Montessori-Methode immer wieder dazu inspirieren, den Alltag mit dem zweijährigen Mini mit viel Freiraum und Selbstständigkeit zu organisieren. Kommunikation ist nicht nur ihr Beruf, sondern auch ein Herzensthema – deshalb gibt es auf dem Blog eine kleine Serie zur Kommunikation mit Kleinkindern.


„Im Haushalt mithelfen. Mit anpacken. Ihren Teil dazu beitragen.“ Bei diesen Formulierungen rollen sich mir immer ein bißchen die Fingernägel hoch, muss ich gestehen. Das Thema Kinder & „im Haushalt helfen“ ist insgesamt negativ besetzt – wer erinnert sich nicht daran, mal schlecht gelaunt und meckernd die Spülmaschine ausgeräumt zu haben, weil Mama drauf bestanden hat?

Als der Mini geboren wurde, war das eins der Themen, über die ich so gar nicht nachgedacht habe. Überhaupt nicht. War ja auch wirklich noch sehr weit weg. Erst als ich mich etwas später mit Montessori beschäftigt habe, hat das Thema mich gepackt. In den sogenannten „Übungen des praktischen Lebens“ geht es bei Montessori nämlich oft um Haushaltsaufgaben – es geht ums Abwaschen, Wäsche aufhängen, Schneiden von Lebensmitteln – und was sich so dröge nach „nun mach’ doch mal“ anhört, macht dem Mini unheimlich viel Spaß.

Unheimlich ist wirklich genau das richtige Wort, denn genau das war es mir, als ich es zum ersten Mal bemerkt habe. Unheimlich. Der Mini wollte nämlich GERNE den Frühstückstisch decken oder abräumen, er wollte GERNE die Spülmaschine ausräumen, Geschirr wegstellen oder schmutzige Teller in selbige einräumen. Das hat mich ziemlich überrascht.

Nachdem meine erste, ablehnende Reaktion „Nein, du musst nicht helfen“ und mein Gedanke, dass vielleicht etwas kaputt gehen könnte, einmal überwunden war, habe ich ihn einfach mal machen lassen. Und wisst ihr was: ein Zweijähriger kann problemlos die Spülmaschine ausräumen, Teller und Gläser wegstellen oder angeben. Er kann den Tisch abräumen und die Teller auf die Spüle stellen oder alles, was man zum Frühstück braucht auf den Tisch stellen. Und damit meine ich: er kann das wirklich – also nicht nur zum Spaß für zwei Minuten, sondern wirklich von Anfang bis zum Ende. Wenn man ihn denn machen lässt.

Einfach mal machen lassen

Eine Sache hat der Mini mir beigebracht: Kinder möchten gerne helfen. Sie möchten das tun, was wir auch tun. Und warum sollten wir sie das nicht tun lassen? Teller in den Geschirrspüler einräumen? – besser als jedes Puzzle. Geschirr ausräumen und in die Schublade stellen? – Formen sortieren deluxe. Ein Marmeladeglas auf den Tisch stellen? – Gleichgewicht und Koordination üben. So könnte ich noch eine ganze Weile weitermachen – denn mit all diesen alltäglichen Tätigkeiten üben unsere Kinder wichtige Fähigkeiten. Ganz alleine, von sich aus und mit den Dingen, die zur Verfügung stehen.

Nebenbei stellen sie auch noch fest, dass sie Dinge können, die die Eltern auch tun – und das macht unglaublich stolz! Der Mini strahlt über das ganze Gesicht, wenn er etwas geschafft hat – und ich auch. Das Thema „Helfen im Haushalt“ wird so ein ganz natürlicher Teil des Alltags – ganz ohne Stress und Forderungen. Ich bin natürlich nicht naiv und weiß, dass das nicht so bleiben wird. Aber ich glaube, dass es trotzdem etwas wichtiges vermittelt: nämlich Teil einer Familie zu sein, zusammen etwas zu erledigen und was für ein gutes Gefühl es ist, wenn man gemeinsam zu etwas beiträgt. 

Ein paar Ideen, bei denen auch kleine Kleinkinder unter drei Jahren schon mitmachen können:

  • Spülmaschine aus- und einräumen
  • Tisch decken
  • Staubsaugen (ist bei uns sehr beliebt)
  • Wäsche vor dem Waschen nach Farben sortieren
  • einfaches Aufräumen (alle Autos in eine Kiste), Dinge zurück ins Regal stellen
  • Einkaufen: Produkte suchen und in den Einkaufswagen legen
  • zu Hause: Einkäufe wegräumen
  • Wäsche zusammenlegen

Bei uns gehören solche Haushalts“aufgaben“ zu den liebsten Beschäftigungen des Mini. Ich glaube, das hat damit zu tun, das er schon versteht, dass diese Aufgaben einen Sinn haben. Ich weiß, dass es vielen, die sich zum ersten Mal mit Montessori beschäftigen etwas schräg vorkommt, dass immer nur von „Arbeit“ und „Übungen“ gesprochen wird und niemals vom „spielen“ – das ging mir ganz genauso. Aber diese Wortwahl eröffnet tatsächlich einen anderen Blickwinkel auf die Beschäftigungen des Kindes. Auch wenn Kinder „spielen“ ist das nie sinnfreie Beschäftigungstherapie – sie haben immer ein Ziel, möchten etwas erreichen oder arbeiten auf etwas hin. Dem tragen die Bezeichnungen „Übung“ oder „Arbeit“ Rechnung. Das Wort „Spielen“ erweckt dagegen immer ein wenig den Eindruck, dass die Tätigkeit sinnfrei, überflüssig oder auch nicht ernstzunehmend sei – und das ist sie niemals.

Also – schmeisst eure Sorgen ums Geschirr über Bord und lasst eure Kleinkinder mithelfen! Ihr werdet staunen, was sie sich schon alles heimlich bei euch abgeschaut haben. Ich bin immer wieder beeindruckt davon, was ein so kleines Kind schon alles kann. 

Alles Liebe
Tina

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[Leben] Baby Update #2 – Zwei Monate zu Fünft

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[Leben] Ich halte dich! Vom Baby bis zum Schulkind.

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One comment

    Toller Artikel! Helfen und darauf stolz sein dürfen ist ganz wichtig und wurde auch in meiner Familie großgeschrieben und zwar genau wie bei dir nicht mit Druck „du musst die Aufgabe jetzt erfüllen“ sondern, wenn Hilfe angeboten wird, einfach machen lassen.
    Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ab welchem Alter ich mitgeholfen habe, aber da ich quasi in der Küche aufgewachsen bin (meine Mutter hatte mir schon als Baby einfach eine Ecke eingerichtet, wo ich sie und sie mich sehen konnte, aber nicht wegrobben konnte), nehme ich stark an, dass ich mit schnippeln durfte. Als ich älter war, hab ich definitiv beim Knochen helfen dürfen, es gab extra einen Stuhl für mich und der Herd hatte ein Gitter drumherum und man war ich stolz, wenn ich umgerührt habe. Geputzt hab ich mit 2 auch mal das Bad und meiner Mutter einen tierischen Schrecken eingejagt, da nicht nur meine Hände sondern auch mein Mund nach Klohreiniger rochen. Meine Mutter erzählt die Geschichte immer noch sehr gerne. 😉 Genau wie die Geschichte, wie ich ihr mit zwei einhalb geholfen habe, dass große Ehebett aufzubauen. Naja, ich hab die Schrauben gebracht und den Schraubenzieher gesucht, aber trotzdem :).
    Beim Einkaufen hat meine Mutter immer einen Trick benutzt, damit ich nicht vor den Süßigkeiten an der Kasse laut wurde: erst wurde der Einkaufszettel vorgelesen und das Mittagessen geplant, dann durfte ich bestimmte Sachen suchen gehen und sie in den Wagen gelegen und an der Kasse mussten dann natürlich alle Sachen überprüft werden, damit wir nichts vergaßen. Zack war ich abgelenkt und es gab kein (oder so gut wie nie) Geheule um ein Ü-Ei, denn man war ja mit wichtigen „erwachsenen“ Dingen beschäftigt.
    Also mehr Hilfe im Alltag!

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