[Leben] Gelassen durch die Trotzphase? Buchrezension „Ich! Will! Aber! Nicht!“ und Interview mit Susanne Mierau

Ein großer Freund von Ratgebern bin ich eigentlich nicht. Wenn ich das Gefühl habe, insbesondere in der „Trotzphase“ Hilfe zu brauchen, in Form von Worten, dann schmeiße ich meist die Suchmaschine meines Vertrauens an. Aber was soll ich sagen? Meistens lande ich bei Susanne Mierau bzw. Geborgen Wachsen und in den meisten Fällen hilft es sehr, ihre Worte zu lesen.

Die Trotzphase verstehen?

Ihre ersten beiden Bücher habe ich auch genau aus dem Grund erstanden. Nun ist ihr neues Buch erschienen. „Ich! Will! Aber! Nicht! Die Trotzphase verstehen und gelassen meistern“.

Als ich mein Rezensionsexemplar aus dem Briefkasten fischte, war ich zuerst etwas gehemmt. Es war nicht mehr die vertraute „Geborgen Wachsen Optik“, sondern tatsächlich sah es auf den ersten Blick aus, wie genau diese Bücher, die viele viele Ratschläge geben, man irgendwie hinterher immer noch nicht schlauer ist und man sich eher bevormundet fühlt. Das ist übrigens der Grund, warum ich sonst online etwas nachlese und nicht Ratgeber XY im Schrank stehen haben möchte.

Ganzheitliche Betrachtung

Einen Tag später begann ich zu lesen, fand mich wie so oft bei Susannes Texten nickend wieder. Vieles wusste ich bereits selbst. Aber es war wunderbar, sich doch noch mal so einige Punkte ins Gedächtnis zu rufen.
Die Strukturierung ist prima und ganz offensichtlich durch ein immer wiederkehrendes Bild zu erkennen.

Zwei Doppelseiten für ein Thema. Essen, Schlafen, Alltag usw. Es werden Themen angesprochen, die uns alle irgendwann in irgendeiner Form in eine schwierige Lage mit unseren Kindern bringen (können). Toll finde ich, dass es noch einmal wichtige Tipps und Denkanstöße gibt, die für ein Thema relevant sind und den „Trotz“ erst gar nicht zum Vorschein bringen lassen sollen. Es sind immer wieder Zitate von vielen Familienblogs zu finden, die thematisch passend zu den Inhalten auftauchen. Man fühlt sich definitiv nicht alleine. Ganz wunderbar und typisch Susanne, wenn man Ihren Blog liest ist, dass sie nicht nur die Kinder betrachtet, sondern eben uns Eltern mit einbezieht. Denn wenn man am Rad in Richtung „gelassen meistern“ dreht, dann muss eben eine ganzheitliche Ansicht her. Dazu gehört es ebenso das eigene Verhalten zu überdenken.

Während ich mich aber durch den Ratgeber las, stellten sich mir ein paar Fragen. Und wer könnte sie besser beantworten, als Susanne selbst?

Interview mit Susanne Mierau

Liebe Susanne, wieder gibt es ein neues Buch von dir und wieder habe ich es sehr gerne gelesen. Dennoch war ich zuerst skeptisch.
Wieso hast du für den Titel des Buches das Wort Trotzphase verwendet? Auf deinem Blog Geborgen Wachsen hast du bereits vor Jahren geschrieben: „Trotzen? gibt es nicht“.

„Ursprünglich sollte das Buch auch genau so heißen: Trotzen gibt es nicht! Aber in der Verlagsrunde zeigte sich, dass der Titel missverstanden werden könnte und Menschen glauben könnten, dass es sich um einen Ratgeber handle, der zu Strenge aufrufen würde. Genau das soll er ja aber nicht sein.
Zudem verbinden eben viele Menschen mit der Auseinandersetzung zwischen Eltern und Kinder den Begriff „Trotz“. Damit das Buch auch wirklich die Menschen erreicht, die es erreichen soll, wurde der Untertitel mit der Trotzphase gewählt, wobei ich ja dann schon am Anfang erkläre, warum es kein Trotz ist und eigentlich auch keine Phase…“

Als ich das Buch gelesen habe, fand ich ganz besonders die Strukturierung toll. Es ist wie ein klassischer Ratgeber aufgebaut und auf maximal zwei Doppelseiten werden die Themen behandelt. Mein Gedanke war direkt: ein Nachschlagwerk für den Alltag, was man nach dem Lesen dennoch griffbereit ins Regal legen sollte, um im Bedarfsfall erneut reinlesen zu können. Schließlich braucht man im Akutfall auch einfach mal schnell Hilfe. War das auch deine Intention?

„Ja, anders als meine anderen Bücher ist dieses ja wirklich ein klassischer Ratgeber und es war mir wichtig, ihn sehr übersichtlich und strukturiert zu machen, so dass er wirklich im Alltag eine Hilfe sein kann. So, dass man bei dem Gedanken „Ach stand, da nicht etwas im Buch…“ auch gleich den richtigen Ort dort findet. Denn gerade wenn es mal nicht rund läuft, braucht man ja schnelle Hilfe.“

Du schreibst über so ziemlich alle Situationen des Alltags, die Stress mit sich bringen können. Was ist dein ultimativer Tipp, als dreifache Mama, um entspannt in den Tag zu starten, obwohl die Alltagsverpflichtungen rufen? Denn gerade dann, kollidieren ja gerne mal die eigenen Pläne mit denen der Kinder und der „Trotzanfall“ ist vorprogrammiert.

„Für mich ist es wirklich wichtig, dass es mir persönlich gut geht – dann kann ich auch entspannt sein für die Kinder. Das bedeutet bei mir beispielsweise, dass ich meine Kaffee- und Teezeiten benötige, dass ich ein wenig Ordnung brauche zu Hause, damit ich mich wohl fühle. Ich brauche meine eigene gesicherte Grundstruktur, damit ich ruhig bin. Was dazu gehört, kann ja bei jedem unterschiedlich sein. Aber ich glaube, dass viel Stress und Streit wirklich deswegen entsteht, weil wir als Eltern gerade gestresst sind und es dann mit den kindlichen Bedürfnissen einfach zu viel wird, das Fass läuft über. Deswegen im Fass genug Platz lassen für den Stress, der manchmal durch Kinder kommt und dafür anderen Stress abbauen, so dass das Fass nicht überlaufen muss.“

Ich habe besonders interessiert das Kapitel „Auszeit“ gelesen. Und tatsächlich musste ich zustimmen, dass oft ich diejenige bin, die eine Auszeit bräuchte, um wieder auf Augenhöhe mit meinem Kind agieren zu können und nicht das Kind für eine Auszeit ins Zimmer geschickt werden sollte. Schaffst du es im Alltag so zu handeln, wie du es in deinen Büchern, insbesondere in diesem Buch beschreibst?

„Manchmal achte ich natürlich auch nicht gut genug auf mich oder die Rahmenbedingungen geben es nicht her, dass ich genug Raum für mich habe. Die letzte Woche war beispielsweise extrem anstrengend, weil bei uns gemalert wurde und die Hälfte der Wohnung nicht benutzbar war und in der anderen Hälfte alle Möbel herum standen und alles unordentlich war, weshalb auch nicht genug Raum zum Spielen da war. Kurz: Die Rahmenbedingungen waren stressig und es war zu wenig Raum für den Stress durch die Kinder da. Was mir dann hilft: Ganz bewusst Auszeiten für mich nehmen und vor allem auch einfach raus gehen mit den Kindern. Draußen ist irgendwie immer alles entspannter, wenn die Kinder eine Runde rennen können.
Aber natürlich schimpfe ich auch und bin auch mal wütend oder ungerecht. Wichtig finde ich, dass ich mich später auch bei den Kindern entschuldige, wenn ich blöd war und dass ich ihnen auch erkläre, wenn ich einfach keine Nerven mehr habe. Manchmal sage ich ihnen auch einfach vorher: Wisst Ihr, heute war ein stressiger Tag, ich habe wenig nerven, lasst uns bitte was Entspannendes machen mit wenig Streit.“

Eine letzte Frage habe ich nun noch. Was machst du, wenn du merkst, du bleibst im Alltag auf der Strecke und zu Hause läuft gerade die Laune betreffend der Kinder alles drunter und drüber? Wie schaffst du es dann alles gelassen zu meistern?

„Wenn es wirklich ganz blöd läuft, dann sag ich einfach oft: Lass es einfach sein. Manche Tage sind Chaos und dann ist es praktischer, das Chaos anzunehmen und eine kreative Lösung zu finden: Es läuft mies, kommt wir backen einen Kuchen und naschen viel Teig. Zu Hause ist es blöd, lasst uns draußen ein Mittagessen kaufen und auf dem Spielplatz essen. Die Kinder streiten sich ständig beim Spielen mit ihren Sachen? Lassen wir die Sachen liegen, gehen ins Bad und machen Seifenblasen und viel Schaum. Dem negativen Chaos mit positivem Chaos begegnen, das ist oft hilfreich in solchen Situationen. Etwas ganz anderes machen, Musik laut aufdrehen und tanzen. Einfach selber Kind sein und den Ärger los lassen. Das ist auch nicht gelassen, denn natürlich muss später aufgeräumt werden, aber es entspannt einfach die Situation und man kann dann später wieder ruhiger in eine neue Situation starten.“

Wer einen Ratgeber sucht, der Ratschläge gibt, ohne das man das Gefühl hat im wahrsten Sinne des Wortes geschlagen, sondern viel mehr verstanden zu werden, der sollte sich „Ich! Will! Aber! Nicht!“ definitiv zulegen.

Alles Liebe, Tanja

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