[Leben] Meine Hebammengeschichte – ohne Hebamme? Das sollte nicht sein!

Als nach der Fehlgeburt unserem Umfeld klar war, dass da offensichtlich ein Kinderwunsch besteht, bekam ich einige Tipps. Einer dominierte: suche dir am Besten eine Hebamme, wenn der Test zwei Streifen zeigt. Ich widersetzte mich allerdings, suchte mir zwar schon etwas zusammen, aber telefonierte und schrieb Emails erst ab der 11. Woche. Zu groß war die Angst, es geht wieder schief.

Die Suche nach der Hebamme beginnt

Eine Praxis machte online einen netten Eindruck. Da es mein Mann war, der mich überredete eine Nachsorgehebamme zu suchen, kam er ebenso mit, um die potenzielle Person auch kennenzulernen. Ich hatte in meinen Überlegungen nie bedacht, dass sie auch gerade für mich hilfreich sein könnte und gar nicht unbedingt nur fürs Baby kommt.

Ich möchte kurz einschieben: wer mich kennt, der weiß, es darf nicht zu esoterisch sein. Teechen hier, Aromatherapie da und schon mal gar nicht dürften Tipps kommen, dass egal was man hat, überspitzt formuliert, einzig allein Muttermilch zum Zuge kommen dürfe. Da bin ich nämlich auch kein Freund von. Aber da gehen Meinungen ja bekanntlich auseinander und das ist auch gut so. Außerdem war ich vorm ersten Kind felsenfest überzeug, nicht stillen zu wollen.

Was war ich gespannt. Wir bummelten etwas durch die Stadt und gingen anschließend zur Praxis. Zwei Hebammen teilen Sie sich. An der Türe hing ein Schild, wo draufstand: bitte Schuhe ausziehen. Vielleicht könnt ihr euch meinen Gesichtsausdruck vorstellen, aber da war es eigentlich schon vorbei. Das mag für euch komisch klingen, mein Gefühl teilte mir aber mit: Flucht! Ab durch die Mitte. Nun denn, reingehen mussten wir dennoch, aber es war eigentlich schnell klar: das passte einfach nicht. Die Chemie stimmte nicht. Mein Gefühl sagte aber auch hier, es würde auf Gegenseitigkeit beruhen.

Also kam Plan B an die Reihe. Wir hatten per Email bereits Kontakt und ich freute mich eine Woche später auf den Termin. Eine größere Praxis, mit vier Hebammen. Nicht nur die Räume der Praxis haben mich direkt in ihren Bann gezogen, sondern auch die Hebamme, mit der ich das Kennenlerngespräch führte. Wir tauschten uns aus und lachten viel. Da nahm ich auch gern ein Teechen. 😉 Sie hat so eine angenehm pragmatische Art, ist auf eine liebevolle Art und Weise auch sehr direkt und respektiert meine Grenzen, was Offenheit gegenüber alternativen Heilmitteln angeht und ebenso das Thema Stillen wurde nach meinen Erklärungen ohne Belehrungen ad Acta gelegt. Perfect Match sozusagen. Tatsächlich ist sie auch noch eine Beleghebamme. Da war aber auch schnell geklärt, dass ich sie weder für Vorsorgen noch für die Geburt benötige, da es mir sehr wichtig war, dort zu entbinden, wo ich im Falle des Falles nicht von meinem Kind durch eine Krankenhausverlegung getrennt werden musste.

Wir konnten uns unsere Hebamme aussuchen

Aber soll ich euch etwas sagen? Ich bin zutiefst dankbar. Ich hatte eine Wahl. Ich hatte die Wahl, mir eine Hebamme suchen zu können, die mich mit meinen Ansprüchen nicht direkt in die Wüste schickt, sondern akzeptiert, dass wir berufsbedingt vielleicht eine schwierige Kombination sein könnten, sie und ich. Und ich hatte das große Glück, bei allen drei Kindern, die gleiche tolle Person an meiner Seite zu wissen.

Urheberrecht: Inna Astakhova/Shutterstock

Ich weiß noch, als sie zum ersten Mal bei meiner Großen einen Wochenbettbesuch machte und mich stillend auf dem Sofa vorfand. Es könnte sein, dass da Worte gefallen sind wie: „ich hab es mir gedacht und dachte aber auch, es bringt rein gar nichts, wenn ich dir versuchen würde es schmackhaft zu machen.“ Recht hatte sie. Ich hab es mir nämlich im Kreißsaal tatsächlich einfach neu überlegt, als mich die Hebamme dort fragte, ob ich mein Mädchen anlegen möchte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Witzigerweise steigerte sich das „Brauchen“ meiner Hebamme von Kind zu Kind. Brauchte ich sie bei der Großen kaum, dafür bei der Kleinen umso mehr. Sie nahm nur sehr langsam zu, so stand also nach ihrer Geburt das Wiegen im Vordergrund. Und jetzt beim Löwenjungen ebenso. Sie kam in den ersten Tagen jeweils täglich, zum Wiegen aber schnell alle zwei Tage, da sie uns nicht stressen wollte. Sie hatte das Vertrauen, dass es aufwärts geht und dennoch einen strengen Blick, der es nicht zulassen würde zu wenig zu machen.

Warum sollten wir Rückschritte tolerieren?

Ich weiß nicht ob ihr die Serie Call the Midwife kennt? Sie spielt in England und es geht um Hebammen in den 50er Jahren. Sie machen Wochenbettbesuche, aber nur sehr stark begrenzt. Es gibt hauptsächlich die Nachsorgesprechstunde, wo man hinkommen kann. Lese ich also aktuell von den Entwicklungen, Hebammen betreffend, klingeln meine Ohren. Mir ging es nach allen drei Geburten gut. Ich konnte laufen, trug fast keine Verletzungen davon und bekam keine postnatale Depression. Das Stillen klappte reibungslos und ohne Schmerzen. Stelle ich mir aber vor, ich könnte kaum gehen, geschweige denn sitzen, ich bräuchte Hilfe beim Stillen und und und. Und so soll ich mich dann in die Wochenbettambulanz begeben? Zu einer Hebamme, die ich mir vielleicht nicht einmal aussuchen konnte? Da würde ich es mir höchstwahrscheinlich drei Mal überlegen, ob ich das wirklich in Anspruch nehmen würde.

  • Vermutlich würde es dazu führen, dass Neugeborenengelbsucht erst bei der nächsten regulären U beim Kinderarzt festgestellt werden würde und man sich vorher fragt, warum das Kind so schlapp wird und nicht trinken möchte und anschließend eine deutlich längere Therapie notwendig sein wird, als bei einer früheren Erkennung.
  • Vermutlich würden Frauen schneller aufgeben, wenn das Stillen eben nicht reibungslos klappt.
  • Vermutlich würden Probleme bei der Rückbildung der Gebärmutter zu spät erkannt werden.

Ach und noch etwas: auch wenn ich hier nur über meine Nachsorgehebamme geschrieben habe, möchte ich nicht unerwähnt lassen, da dies ja häufig im Krankenhaus kritisiert wird: ich hatte bei allen drei Kindern jeweils eine andere Hebamme im Kreißsaal. Aber trotz der vielen Arbeit dort, hat mir keine der Drei je vermittelt keine Zeit für mich zu haben. Ich durfte jedes Mal entscheiden, ob ich sie bei mir haben möchte oder nicht. Und ohne ihre Komepetenzen, wäre Kind 1 vermutlich auf die letzten Meter ein Kaiserschnitt geworden, da wir von ihrer jahrelangen Erfahrungen profitierten.

Wir brauchen all unsere Hebammen. Und wir sollten eine Wahl haben.

Alles Liebe,
Tanja

 

 

 

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