[Leben] Vorschulpubertät, Zahnlückenpubertät oder auch: Hilfe, was ist denn da los?

Ich hielt es tatsächlich für eine Redensart „Wackeln die Zähne, wackelt die Seele“ um dem Kind mal wieder einen Namen zu geben. Aber in den letzten vier Wochen schien es, als sei unser großes Mädchen schier grenzenlos. Nein? Was ist das? Diskussionen stehen an der Tagesordnung. Schreien und Kreischen als Reaktion, wenn es nicht so läuft, wie man gerne möchte, wie ich es noch von ihr kenne, als sie zwei Jahre alt war.

„Mamaaaa, ich habe einen Wackelzahn“

Vor gut 2 Wochen hörte ich meine Tochter auf einmal sagen, dass ihr Zahn wackelt. Ich selbst habe es kaum spüren können, mein Mann hingegen schon. Zack, da war er. Der nächste große Schritt. Ein Wackelzahn. Wie hat sie auf diesen Moment gewartet und ihm entgegengefiebert.

Kurz nachdem wir die Neuigkeit gebührend bemerkt hatten, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ihr Verhalten der letzten Zeit. So rastlos, irgendwie quer, stets aus dem Nichts heraus alles furchtbar schlimm findend. Ist vielleicht doch etwas daran?

Urheberrecht: Meryll/Shutterstock

Wackeln die Zähne, wackelt die Seele – die Zahnlückenpubertät

Niemand hört gerne ein Nein oder akzeptiert es. Es ist auch vollkommen in Ordnung ein Nein blöd zu finden. Aber innerhalb einer Familie gibt es Regeln und an die wird sich gehalten. Kürzlich unterhielt ich mich mit einer Freundin noch beim Frühstück über Kindererziehung, da ich ihren Sohn stets als sehr höflich und „gut erzogen“ wahrnehme. Ich erzählte noch, dass wir natürlich bei Beiden die gleichen Regeln aufstellen, es die gleichen Grenzen gibt,aber man besonders bei der Großen merkt, wenn man diese Grenzen nur sehr leicht öffnet. Das funktioniert einfach nicht. Ich verglich das Ganze mit einem Boxring. Klingt seltsam, ich weiß. Aber in einem Boxring gibt es Grenzen und diese sind elastisch. Aber man spürt sie, wenn man dagegen titscht und wieder in die Mitte zurückkatapultiert wird. Ich weiß manchmal nicht, ob das auch etwas mit Aufmerksamkeit zu tun hat. Höchstwahrscheinlich schon. Ist man vielleicht selber müde und nicht ganz so achtsam, bietet nicht diese elastische Grenze, dann muss man es so lange ausreizen, bis wieder alles beim Alten ist. Aber selbst das ist es in den letzten Wochen nicht. Und so spürt man ein Ungleichgewicht und eine sehr häufige Unzufriedenheit bei ihr. Das Wackeln der Seele kann man übertragen auf „ich setze mal alles auf 0 und schaue was passiert, mal sehen was ich durchsetzen kann.“ Der Versuch, Grenzen neu zu definieren, auf eine ganz besonders strapaziöse Art und Weise für alle Beteiligten. Denn nicht zuletzt sind insbesondere sie, aber auch ich, die Personen, die davon am Stärksten betroffen sind.

Ich bin kein Freund davon, Regeln aufzustellen und das Kind hat sie stur zu befolgen. Ich möchte Austausch und bin gerne bereit tatsächlich Grenzen neu zu definieren. Aber mein Gegenüber ist, auch wenn sie eine eigenständige Person ist, gerade einmal 5 Jahre alt und weiß zur Zeit absolut nicht wohin mit sich. Was soll man also tun? Jeden Abend auf dem Sofa sitzen und Schokolade essen, weil man sich wie die mieseste Mutter auf Erden fühlt ist auch keine Option. Ebenso ist der Weg für uns als Familie aber auch keine Wahl, alles auf den Kopf zu stellen, um ihr eine Bühne zu bieten.

Wie wir damit umgehen

Was sie bekommt sind Arme die sie umschließen, Worte die sie beruhigen sollen und eine Eltern, die da manchmal auch nicht weiter wissen. Ebenso gibt es die Grenzen noch etwas angezogener. Das elastische Band wird also etwas straffer geschnürt. Und siehe da, in ihrer Hilflosigkeit, durch vielleicht auch wieder noch neue Dinge, evtl. geht auch ein Wachstumsschub einher und das Baby stiftet zudem auch noch Verwirrung, läuft es so wieder grundlegend besser. Fast so, als ob es so eingefordert worden wäre.

Versteht mich nicht falsch, hier herrscht auch nun kein Militärston, es wird genauso viel gekuschelt und Quatsch gemacht. Aber es gibt vielleicht nicht zwei oder drei Warnschüsse, sondern nur einen. Wenn ich aber eins gelernt habe, dann ist es nicht Dinge zu streichen, die ihr sonst spürbar Entspannung bescheren und die zu festen Ritualen gehören, wie die Gute Nacht Geschichte. Und ebenso versuche ich mir bei „wenn du…., dann darfst du nicht….“ auf die Zunge zu beißen.

Außerdem versuche ich ihr mehr Verantwortung zu geben und sie noch mehr einzubinden. Sie möchte gebraucht werden und möchte helfen. Sie möchte nicht, dass ich ihr den Apfel schäle und bereitstelle, sie möchte ihn sich selbst schälen, um ein konkretes Beispiel zu nennen. Das mag banal klingen. Aber für sie ist das etwas Großes. Und daran merke ich auch noch einmal den Umbruch. Sie ist im Kopf schon wieder ein ganzes Stück weiter, als ihr wankendes Verhalten gerade vermuten lässt. Sie wird groß und die Zahnlückenpubertät muss ein schwerer Schritt sein. Sie muss wieder ihre Mitte finden und ich werde alles tun, ihr dabei zu helfen.

Und mein ultimativer Tipp für die Zahnlückenpubertät?

Einen konkreten Tipp habe ich bei diesem Thema leider nicht, außer: Vergesst nicht euren Ansatz und handelt aus Liebe, so schwer es vielleicht manchmal fällt. Wer geborgen aufwächst, kann auch in diesem Rahmen rebellieren. Außerdem ist der nächste Tipp: Füllt euren Kühlschrank mit Schokolade. Denn trotz aller Geborgenheit und allem Verständnis, zerrt es manchmal doch sehr stark, weil es sich stellenweise so anfühlt, als wäre man die letzten Jahre im Dunkeln getapst und müsste sein Kind eigentlich gerade vollkommen neu kennenlernen. Dies ist zwar prinzipiell nichts Schlechtes, da neue Kennenlernen, aber manchmal ist es einfach das Gefühl von „zu viel“. Wisst ihr was aber immer hilft? Dem schlafenden Kind noch einmal einen Kuss zu geben.

Berichtet gerne mal, wie es bei euren Kindern ist.
Haben sie schon einen Wackelzahn?
Und wie ist ihre Laune?

Alles Liebe,
Tanja

 

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6 comments

    Hallo!

    Hier ist es gerade exakt genauso. Es fühlt sich so an als hätte ich 2 Kleinkinder hier (Großer wird im Juni 6 Jahre und die Kleine ist 2 1/2). Auch diese Phase wird vorbeigehen. Bis dahin reden wir viel und stehen es gemeinsam durch. Schokolade hilft manchmal auch😊.
    Liebe Grüße,
    Sarah

    Du schreibst mir aus der Seele.
    Bei unserem Sohnemann ist es exakt so. Allerdings kannte ich das Sprichwort nicht aber es erklärt einiges.
    Super Text. Danke ☺

    Wow! Danke für die Erleuchtung. Bei unserer Tochter ist es momentan exakt genau so! Sie ist 5.5 Jahre alt, aber hat gerade das Verhalten einer 2jährigen. Ich kannte das Sprichwort auch nicht, und wir warten auch noch auf den ersten Wackelzahn. Aber ihr Verhalten spricht Bände im Moment. Irgendwas ist da im Umbruch. Bislang war es bei jedem großen Entwicklungsschritt so, daß sie manchmal wochenlang völlig neben der Spur war. Und danach wie ausgewechselt.
    Da hilft nur tief einatmen, bis 10 zählen, ohmmmm denken, zum Kühlschrank laufen und Schokolade verdrücken.

    Jetzt habe ich wohl eine Erklärung für diesen Wahnsinn bei uns zuhause. Der Große ist 6 1/2 und tickt seit ein paar Wochen in alle Richtungen aus :-/ Entweder er wird zum absoluten Krawallmacher und benimmt sich nach allen Regeln der Kunst daneben oder er wird zum Kleinkind und bekommt Panik wenn Mutter nicht dauernd Händchen hält… Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken an die richtige Pubertät!

    Bei uns is das gleiche erst weinerlich dann mal wütend mein Sohn ist 6 1/2 ich selbst habe das Buch mir gekauft Wackeln die Zähne wackelt die Seele es ist sehr schön geschrieben und man findet sich wieder.

    Bei uns ist ganz anders gewesen, keine Spur von Wackelpubertät, ganz im Gegenteil! Nach wie vor wird jeder, aber wirklich JEDER einzelne Wackelzahn begeistert kundgetan, es wird gewackelt bis es blutet und teilweise werden untereinander so kleine Kämpfe ausgetragen, in dem der eine (10) die andere (8) extra schubst und natürlich völlig ausversehen etwas kräfitger gegen die Wange haut um dann ein fröhliches: mach mal fester! als Belohnung zu ernten 🙂
    Stimmungsschwankungen beobachte ich nur, wenn der Zahn sich auch nach wochenlangem Wackeln nicht rührt und quasi nur noch an einem Faden hängt, aber sich dieses letzte Stückchen nicht lösen läßt. Aber auch dann wird viel untereinander gelacht und gegenseitig angefeuert, es doch einfach mal „volle Pulle“ zu versuchen. Bis der andere schreit und ich dazwischengehen muss 🙂
    Ich habe bis jetzt jeden Zahn mit einem kleinen Zahnfee Geschenkchen unterm Kopfkissen honoriert. Natürlich wissen die beiden mittlerweile (ich glaube das hat nur bis Zahn Nummer 2 funktioniert:-) !) dass die Zahnfee nicht existiert, aber dieses Ritual lassen wir uns bis heute nicht nehmen. Na gut, ich gebs zu. ab Zahn Nummer 10 hatte ich auch keine Ideen mehr fürs Kopfkissen, aber auch über einem 2€ Stück dass ganz plöztlich dort liegt, freuen sie sich wie die Schneekönige. Es ging sogar so weit, dass unsere 8 jährige die letzten beiden Wackelzähne ganz freiwilling beim Zahnarzt enfernen ließ, weil es einfach nicht alleine geklappt hat und sie letztendlich die Nase voll hatte vom Warten. Und auch der Große hat die letzten beiden Backenzähne nicht bis zum Schluss rausbekommen und hat selbst nach einem Zahnarzttermin gefragt. Inklusive Spritze. Sachen gibts….! :-))
    Natürlich wird gelobt und immer wieder nachgeguckt und beteuert wie stolz man doch ist, dass sie sich SO dolle trauen mit den blutenden Zähnen rumzuhantieren. Ich denke auch deshalb ist das Ganze bei uns relativ entspannt. Es ist eine kleine Geschwisterrivalität, wer mit wieviel Jahren mehr Zähne draußen hat und wer mehr von dem Schmerz aushalten kann, sei es alleine oder beim Zahnarzt.
    Momentan wackelt nichts großartig. Aber dafür ist der erste Gang zum Kieferorthopäden dran. Bleibt spannend :-))
    lg
    Hiyeun

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