[Leben] Ein Brief aus der Sicht (m)eines (fordernden) Babys

Mein Baby würde man heute vielleicht als High Need Baby bezeichnen. Ich würde aber vielleicht einfach sagen, bedingt durch den miserablen Start ins Abenteuer Leben, braucht er uns, insbesondere mich, einfach sehr stark. Dennoch ist das manchmal nicht so leicht. Ihr merkt, dass es hier auch etwas ruhiger zugeht. Das liegt nicht daran, dass mir die Ideen ausgehen, aber auch mein Tag hat nur 24h und die Familie hat stets Vorrang.

High Need oder einfach fordernd?

Es gibt Momente, da ist es schwierig zu akzeptieren, dass unser geliebter kleiner Löwe nun einmal so fordernd ist, stets diese starke Nähe braucht. Nüchtern betrachtet ist das vollkommen in Ordnung und auch nachvollziehbar. Also habe ich mir überlegt, was ich tun kann, um mich einmal mehr in ihn hineinzuversetzen. Herausgekommen ist die Idee dieses Briefes. Eine Überlegung, wie er sich vielleicht äußern würde, wenn er das könnte. Und wenn es mir beim nächsten Mal in den Fingern juckt, auf Grund der vielen zu erledigenden Dinge, dann lese ich ihn mir einfach selbst noch einmal durch. Denn es ist nun einmal wie es ist, da hilft nur die Akzeptanz und das Wissen, dass er nur einmal so klein und hilfsbedürftig ist. Wer ein Baby hat, was die meiste Zeit des Tages auf dem Arm verbringt, wenn Bedürfnisse nicht sekundenschnell erkannt werden wie eine Sirene weint (leise weinen? Das kennen wir von ihm nicht) und auch große Unterstützung beim Schlafen benötigt, der wird verstehen können, dass all meine Worte darüber keine Beschwerde sein sollen, so eine intensive Baby-Mama-Beziehung aber auch verarbeitet werden muss. Vielleicht empfindet die ein oder andere Mama von euch ebenso und findet sich darin wieder.

Ein Brief von meinem Baby an mich

Meine liebe Mama,

es ist 20:21 Uhr und du liegst bei mir. Das spüre ich, denn du bist wieder bei mir, weil ich ohne dich nicht hier alleine sein möchte. Jetzt fühle ich mich wieder geborgen. Wahrscheinlich wolltest du gerade ganz viele andere Sachen machen, für die du ansonsten kaum Zeit findest. Ich weiß, dass es für dich nicht leicht ist, weil ich die meiste Zeit des Tages auf deinem Arm sein möchte. Bei dir fühle ich mich aber sicher und du bietest mir den Schutz, den ich so dringend benötige. Wir konnten nicht von Anfang an miteinander kuscheln, zuerst lag ich alleine in einem Bettchen, in dem es zwar warm war, aber dein Herz konnte ich nicht schlagen hören.

Ich brauche dich nicht nur dann, wenn ich weine, sondern auch dann, wenn ich nicht weine. Ich brauche deine Nähe und deinen Geruch, deine Stimme und deine tragenden Hände und Arme. Mama, ich weiß, dass ich schon ganz schön schwer geworden bin, aber auf deinem Arm kann ich all meine Eindrücke viel besser einsortieren. Weißt du, es fällt mir unglaublich schwer einfach die Augen zu schließen, wenn es mir zu viel wird, denn dazu bin ich viel zu neugierig, was um mich herum passiert. Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass du mich verstehst und dafür möchte ich dir danke sagen. Denn ohne einen Anker, würde ich mich sehr verloren fühlen.

Danke, dass du all das für mich machst. Auch wenn ich ein kleiner starker Löwe bin, brauche ich dich die meiste Zeit des Tages an meiner Seite, auch wenn ich schlafe.

Dein kleiner Löwenjunge

Alles Liebe und viele gute Nerven an all die löwenstarken Mamas,
Tanja

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